PROJEKTE

> DOKUMENTATION 2017

Header Image Enduring Ornaments (AT)

Whole Wall Films / Boglárka Börcsök
Enduring Ornaments (AT)

 

Die sogenannte Bewegungskunst entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Verbindung von Tanz und Gymnastik und entwickelte sich in engem Zusammenhang mit der Lebensreform-Bewegung und der von ihr propagierten Befreiung des Körpers aus den Zwängen der Zivilisation.
Getragen von dem Wunsch nach Zwanglosigkeit und Nichtkonformität verstand sich die Bewegungskunst als eine Form des Protests gegen das als stagnierend empfundene klassische Ballett. Sie wird heute oft allein dem deutschen Tanzerbe zugeschrieben, wurde jedoch ebenso in Ländern Osteuropas wie z.B. Ungarn praktiziert.

In ihrem Film "Enduring Ornaments" setzt sich die international arbeitende ungarische Tänzerin Boglárka Börcsök mit der Bewegungskunst als einem Stück ungarisch-deutscher Tanzgeschichte auseinander. Im Mittelpunkt steht ihr Dialog mit drei bemerkenswerten jüdischen Tänzerinnen aus Ungarn, deren noch heute praktizierter Tanz in der Bewegungskunst verwurzelt ist:  Éva E. Kovacs, Irén Preisich und Ágnes Roboz  – heute alle über 90 Jahre alt –  arbeiteten u.a. mit Rosalie Chladek, Harald Kreutzberg und Gret Palucca zusammen und revolutionierten ihrerzeit den Tanz in Ungarn.

Auf die politischen Repressionen des Nationalsozialismus und später Sozialismus reagierten die Tänzerinnen auf sehr unterschiedliche Weise: mit der Arbeit im Untergrund, Abkehr und Konformität oder Anpassung der eigenen Praxis an das bestehende System.

Der Film betrachtet die Bewegung des Körpers im Kontext politischer Ideologien. Während der Besuche in den Budapester Wohnungen der Tänzerinnen, changiert Boglárkas Rolle zwischen Schülerin und Choreografin. Die privaten Räume der Frauen werden zur Bühne, ihre Körper zu lebenden Archiven, die auch wieder beginnen zu tanzen.

 

Credits
MEHR

Ein Film von Boglárka Börcsök in Zusammenarbeit mit Andreas Bolm und Lisa Rave
Produktion –  Elisa Calosi, Whole Wall Films

DAS KÖNNTE SIE AUCH
INTERESSIEREN:

DIE LEGENDE VON SYD O’NOO

Gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Stéphane Bittoun widmete sich der Steptänzer und Choreograf Sebastian Weber der Frage, wie der Steptanz als improvisierte Tanzform mit seinem künstlerischen Erbe umgeht. MEHR

Im Fluss der Zeit

Das Ballett des Staatstheater Cottbus studierte zwei Choreografien von Uwe Scholz neu ein und integrierte sie in einen dreiteiligen Ballettabend.MEHR