PROJEKTE

> DOKUMENTATION 2013

Die Projektdokumentation gibt einen Einblick in die verschiedenen Arbeits- und Probenphasen der Produktion.

Städtische Bühnen Osnabrück:
Le Sacre du Printemps von Mary Wigman

Mary Wigmans „Sacre" gelangte 1957 an der Städtischen Oper Berlin mit dem dortigen Ballettensemble zur Uraufführung. Von ihrer Choreografie existieren heute lediglich Skizzen, Fotos, Aufzeichnungen sowie das Wissen der damals an dem Werk beteiligten Tänzerinnen. Auf dieser Grundlage rekonstruierten Henrietta Horn, Susan Barnett und Katharine Sehnert die Choreografie. Unterstützt wurden sie von den ehemaligen Wigman-Schülerinnen und -Tänzerinnen Emma Lew Thomas und Brigitta Herrmann aus den USA.

Die beiden Tanzensembles der Theater Osnabrück und Bielefeld haben die Rekonstruktion dieses Werkes in einer groß angelegten Kooperation mit ihren jeweils zehn TänzerInnen sowie fünf GasttänzerInnen, gespielt vom Osnabrücker Symphonieorchester bzw. den Bielefelder Philharmonikern, im November 2013 auf die Bühne zurück gebracht. Das Bayerische Staatsballett München, Kooperationspartner des Projekts, übernahm die von Osnabrück/Bielefeld rekonstruierte Fassung von Wigmans „Le Sacre du Printemps": Im Juni 2014 wurde die Choreografie – wie ursprünglich von Mary Wigman vorgesehen – von 45 Tänzern in der Reithalle München getanzt.

Interview mit Wigman-Schülerinnen
MEHR

Im Interview erinnern sich Brigitta Herrmann und Katharine Sehnert an die Ausbildung bei Mary Wigman und sprechen über ihre Rolle bei den Rekonstruktionsarbeiten zu „Le Sacre du Printemps".

Nachtrag …

Von: Brigitta Herrmann
Datum: 31. Mai 2013
An: Isabel Niederhagen
Betreff: Interview

Hello Isabel,

Im Nachhinein sind mir noch einige Dinge eingefallen, die ich während des Interviews nicht parat hatte. Ich finde das schade und schreibe Ihnen, um sie nachträglich hinzuzufügen.

Es ist so, dass Wigmans Einfluss in Philadelphia sehr groß ist, obwohl er kaum mit dem Namen von Mary Wigman verbunden wird. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass Philadelphia, eine Art Wigman-Hochburg ist, da Hellmut Gottschild und ich dort viele Jahre unterrichtet und auch mit einer Gruppe choreografisch gearbeitet haben. Durch diese Arbeit sind Generationen von Tänzern mit dem Bewegungsmaterial und der Philosophie Wigmans in Berührung gekommen, die Bewegungsqualitäten wurden vermittelt und die Wigmanschen Raumkonzepte sowie die Verbindung von Tanz mit Musik sind bis heute sichtbar.

Hellmut hat für 30 Jahre oder länger in der Temple Universität unterrichtet. Ich habe erst gemeinsam mit ihm die Group Motion Company mitgeleitet und später im Philadelphia College for the Performing Arts unterrichtet (ca. 1970 bis ’83.). Außerdem habe ich in der University of Pennsylvania, und in der Naropa University unterrichtet. Hellmut verließ Group Motion und gründete 1970 eine neue Company: Die Zero Moving Dance Company.

Mein Partner Manfred Fischbeck wurde durch unsere gemeinsame Arbeit mit Wigman vertraut. Er kam um 1967 zur Group Motion Company, die ursprünglich in Berlin gegründet wurde und 1968 nach Philadelphia übersiedelte. Die Multimedia-Konzepte der Gruppe haben wir in den USA gemeinsam entwickelt und bis 1989 hatten wir die künstlerische Leitung der Group Motion Company inne.

Obwohl Manfred Fischbeck improvisatorisch, und nicht im technischen Bereich gearbeitet oder unterrichtet hat, sind bestimmte Wigman-Elemente auch in seiner künstlerischen Arbeit wiederzufinden. Nach unserer Trennung 1989 übernahm er alleine die künstlerische Leitung der Group Motion Company.

Ein zusätzlicher Einfluss von Mary Wigman kam durch Heddy Tower. Heddy Tower kam aus Dresden und war in den 1930er Jahren Wigman-Schülerin. Als Jüdin verließ sie Deutschland Mitte der 1930er Jahre. Ein späterer Mitarbeiter von mir, Michael A. Carson hatte bei ihr für mehrere Jahre Unterricht in einem Laienkurs. Durch sie erfuhr er von mir und meinem Wigman-Hintergrund. Er suchte mich in meinem Studio auf, beteiligte sich an meinen Workshops, und wir arbeiteten fortan für mehrere Jahre zusammen.

Unsere neue Gruppe, AUSDRUCKSTANZ DANCE THEATER (1989 bis 2002), haben wir teilweise gemeinsam geleitet. Wir hatten in Philadelphia ein Studio aufgemacht, haben eine Mary Wigman Ausstellung zusammengestellt, mit Ausschnitten von Wigmans Schriften und Fotos. Meine Lecture über Mary Wigman habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten über mehrere Jahre gehalten.

Über meine eigenen Anfänge und meine Arbeit könnte ich auch noch viel mehr sagen. Es sind nun über 50 Jahre Arbeit, und dabei sind über 80 Gruppen- und Solo-Choreographien entstanden.

Herzlichst,
Brigitta Herrmann

Katharine Sehnert

erhielt ihre Ausbildung bei Mary Wigman in Berlin. Sie war Mitbegründerin der freien Tanzgruppe Motion Berlin. Nach ihrer Tätigkeit als Assistentin von Pina Bausch am Folkwang Tanzstudio Essen gründete sie 1976 die Gruppe Mobile Frankfurt. 1978 war sie Preisträgerin des Internationalen Choreographen-Wettbewerbs Bagnolet.
1982 eröffnete sie den TANZRAUM Köln, 1986 entstand die Gruppe Kontinuum Köln. 1994 wurde sie erste Kölner Tanzpreisträgerin. Gastspiele führten sie u.a. nach Mexico und die USA.
Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin und Choreographin gibt sie regelmäßig Hochschulseminare und hält Vorträge zu Mary Wigman. Darüber hinaus war sie künstlerisch beratend an dem Re-Enactment Projekt A Mary Wigman Evening von Fabian Barba beteiligt.
2009 erhielt sie den Ehrentheaterpreis der Stadt Köln für ihr Lebenswerk.

Brigitta Herrmann

wurde in Weimar geboren und erhielt ihre Ausbildung bei Mary Wigman in Berlin. Sie ist Mitbegründerin der freien Tanzgruppe Motion Berlin, der Group Motion Multi Media Dance Theater sowie des Ausdruckstanz Dance Theater in Philadelphia. In 50 Jahren erarbeitete sie über 70 Stücke. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und präsentierte ihre Arbeiten sowohl in den USA wie auch in Europa.

Filmaufzeichnung
MEHR

Aufzeichnung der Aufführung vom 19.11.2013 Städtischen Bühnen Osnabrück

Programmheft
MEHR

Programmheft zur Rekonstruktion von "Le Sacre du Printemps" des Theaters Osnabrück in Kooperation mit dem Theater Bielefeld.

Reflektionen einer Recherche von Katharine Sehnert
MEHR

Reflektionen einer Recherche. Katharine Sehnert über Mary Wigmans Choreografie 'Le Sacre du Printemps'

Credits
MEHR

Choreografie – Mary Wigman
Rekonstruktion – Henrietta Horn (künstlerische Leitung), Susan Barnett, Katherine Sehnert
Beratung und Unterstützung – Brigitta Herrmann, Emma Lewis Thomas, Susanne Linke
Bühne und Kostüme – Alfred Peter
Projektleitung – Patricia Stöckemann
Musik – Igor Strawinsky

Aufführungstermine
MEHR

2013

  • 08.& 09.11.2013 | Theater Osnabrück – Sacre-Symposium
  • 09.11.2013 | Theater Osnabrück – Eröffnung der Ausstellung zur Rekonstruktion
  • 09.11.2013 | Theater Osnabrück/Theater am Domhof – Premiere
  • 14.11.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 17.11.2013 | Theater Bielefeld
  • 19.11.2013 | Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 13.11.2013 |Theater Bielefeld
  • 14.11.2013 | Radialsystem Berlin – Im Rahmen von „Tanz über Gräben. 100 Jahre »Le Sacre du Printemps«“
  • 27.11.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 03.12.2013 | Theater Bielefeld
  • 05.12.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 11.12.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 14.12.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 20.12.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 29.12.2013| Theater Osnabrück/Theater am Domhof
  • 04.01.2014, 19:30 Uhr, Theater am Domhof Theater Osnabrück
  • 05.01.2014, 20:00 Uhr, Theater Bielefeld
  • 15.01.2014, 20:00 Uhr, Theater Bielefeld
  • 25.01.2014, 19:30 Uhr, Theater am Domhof Theater Osnabrück
  • 29.01.2014, 19:30 Uhr, Theater am Domhof Theater Osnabrück
  • 02.02.2014, 15:00 Uhr, Theater Bielefeld
  • 27.02.2014, 20:00 Uhr, Theater Bielefeld
  • 11.03.2014, 20:00 Uhr, Theater Bielefeld
  • 18.04.2014, 19:30 Uhr, Theater Bielefeld

2014

  • 14.-19.06.2014 |Reithalle München (in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsballett München)

2015

BILDERGALERIE

DAS KÖNNTE SIE AUCH
INTERESSIEREN:

Julius-Hans-Spiegel-Zentrum

Wie hat der Kolonialismus den deutschen Tanz geprägt? Gemeinsam mit Choreografen aus drei Kontinenten entstanden Formate und Performances, die die Geschichte weiter- und umschreiben.MEHR

Essay: Werkkörper und ihre Kontexte im aktiven Archiv

Generelle Überlegungen zur politischen Dimension des Tanzerbes. Von Helmut PloebstMEHR